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Weg mit Scheuklappen und Samthandschuhen!

Sogar die wenigen prominenten eher konservativen Journalisten tragen, wenn es um die Bewertung der Lützerather Demo-Ausschreitungen geht, sonderbarerweise Samthandschuhe. `Mensch Leute, sowas solltet Ihr nicht mittragen, das schadet Euch und Eurem Anliegen´ oder `Keine Frage, mit Extremisten darf man sich nicht gemein machen, andererseits, davor ist ja keine Demo sicher, man kann das nie ausschließen´ – das in etwa ist der Tenor. Ganz zu schweigen von der riesigen Schar an Journalisten, die sowieso komplett auf Seiten der klimabewegten Demonstranten und Gewalttäter stehen. Man begegnet diesen Menschen, die eine unmittelbare Mitverantwortung für zum Teil erhebliche Straftaten tragen, geradezu fürsorglich und wohlwollend, so als heiligten deren noble Motive der Weltenrettung zu Lützerath jeden noch so absurden Gesetzesbruch in der von ihnen so genannten „Verteidigung“ des längst von allen ehemaligen Bewohnern verlassenen Weilers im rheinischen Kohlerevier.

LÜGEN ERLAUBT

Den einen merkt man an, dass sie schlicht von einer Art Unantastbarkeit der grünen Vorkämpfer ausgehen und sich deshalb nicht stärker aus dem Fenster lehnen. Den anderen Journalisten, und das sind deutlich mehr, liegt die grüne Agenda so nah, dass sich ihr Schutzinstinkt daraus erklärt. Beides ist, um das klar zu sagen, mit der Idee von der „vierten Gewalt“, Presse und Rundfunk, nicht vereinbar.

Unvereinbar mit dem Auftrag von Journalisten ist erst recht, wenn öffentlich-rechtliche Medien sich geradezu zu einer PR-Agentur für vermeintliche Klima“aktivisten“ machen. Was war das bitte, was die uns während der Räumung von Lützerath und im Nachgang geboten haben und noch bieten? Quer durch die Talkshows der Republik durften tragende Figuren der Lützerath-Proteste nicht nur ihre absurden politischen Forderungen ausbreiten, nein, sie durften auch immer und immer wieder unsere Polizei diskreditieren, Märchen von angeblich lebensgefährlich verletzten Demonstranten verbreiten und ihre eigene Allianz mit aggressiven und gewaltgeneigten Demonstranten relativieren und leugnen.

Und auch die angeblichen Klimafakten blieben oft vollkommen unwidersprochen im Raum stehen. Die Deutschen gehören angeblich zu den schlimmsten CO2-Klimasündern. Das ist Unsinn. Die CO2-Emission Deutschlands, ins Verhältnis gesetzt zur Wirtschaftsleistung, ist im Gegenteil sogar ganz besonders niedrig. Und was die Kohle aus Lützerath betrifft: Durch die von den ach so klimaschutzbewegten sogenannten „Grünen“ leider überaus erfolgreich betriebene Kernkraftverhinderungsideologie brauchen wir in jedem Fall bis auf Weiteres Kohle als Energieträger, sollen hier nicht Brown- und Blackouts, die sich wirklich niemand wünschen sollte, die Folge sein. Was eigene Standorte nicht liefern können, kaufen wir zu. Kohle wird also bis auf Weiteres in jedem Fall verfeuert.     

FEHLENDE DISTANZIERUNG

Distanzierung von übergriffigen gewalttätigen Akteuren? Fehlanzeige. `Das ist die falsche Debatte´, ich finde es ganz wichtig zu sagen, dass Klimaaktivismus friedlich sein muss´, `Friedlicher Protest, das ist mir ganz ganz wichtig´ – geübt (und vermutlich auch gezielt eingeübt und geschult) spulen die selbstgerechten „Weltretter“ ihre immergleichen Phrasen ab, statt die konkrete erfolgte Gewalt zu verurteilen oder sich für Ausschreitungen zu entschuldigen. Und sie kommen damit durch! Das Nachstoßen hält sich in Grenzen, und allzumeist wird es freundlich mit Respektbekundungen vor dem ach so edlen Anliegen eingeleitet.

Beißhemmungen hier, politische Nähe dort, so präsentieren sich weite Teile der Medien. Es ist erschreckend. Wo sind die notwendigen bohrenden Fragen nach der Finanzierung der Akteure? Hinweise gibt es doch nun wirklich reichlich. Wo sind die investigativen Recherchen über Verbindungen zu extremistischen gewaltbereiten Organisationen? Wieso setzen sich beispielsweise Truppen ins Boot, die ihre Solidaritätsbekundungen mit `Von Lützi bis nach Gaza: Yallah Intifada!´ unterschreiben?  Eine insistierende Konfrontation mit Fragen dieser Art musste niemand fürchten. Vielmehr warteten lauter Gelegenheiten zur Selbstdarstellung für die Aufstands-Lobbyisten.    

GEFÄHRLICHES WOHLWOLLEN    

Niemand erwartet Tribunale. Niemand verübelt es, wenn auch (!) Motive erfragt werden, wenn auch (!) die Perspektive der Demonstranten Raum bekommt. Wenn aber wie auch immer begründetes Wohlwollen das Recherchieren von Netzwerken verhindert und Journalisten allenfalls oberflächlich und wenig energisch kritische Fragen stellen, werden sie letztlich zu Moderatoren der Protestkommunikation. Die Vorzugsbehandlung untergräbt Vertrauen, in Journalismus (wobei dies ohnehin schon tief im Keller ist) und auch in die Demokratie, deren wichtiger Teil Journalisten doch unbedingt sein wollen (und auch sein müssen!). Wer erinnert sich noch an den hervorragenden Journalisten und Tagesthemen-Moderator Hanns Joachim Friedrichs (zu einer Zeit, als man solche Nachrichtenformate wie die Tagesthemen noch anschauen konnte, ohne sich nach wenigen Minuten kopfschüttelnd abwenden zu müssen), auf den der so wichtige wie bis heute richtige Hinweis zurückgeht, dass ein guter Journalist sich nie mit einer Sache gemein machen dürfe, auch nicht mit einer guten?

Nicht weniger gefährlich ist das viel zu unkritische Herangehen in anderer Hinsicht. Linke, rechte oder auch sonstige weltanschauliche, nicht selten radikale oder radikalisierte Bewegungen sind hochattraktiv für politisch noch komplett unerfahrene junge Menschen. Die Verführungsfaktoren: Sinnstiftende Gemeinsamkeit, Selbstüberhöhung, Abgrenzung vom Etablierten. Viele von uns kennen das aus der eigenen Jugend. Extrem ungesund ist allerdings das schwer depressive Element der heutigen Klimajugend. Ungesund für die Fanatiker, aber auch ungesund für die Gesellschaft im Ganzen. Wer fest an den baldigen Weltuntergang glaubt, akzeptiert früher oder später immer mehr Gewalt, wird sie sogar notwendig finden. Klimaschutz wird dann geradezu zum heiligen Krieg überhöht, in dem der Zweck dann alle Mittel heiligt. Übersteigerter Idealismus und totalitäre Ansichten sind ein hervorragender Nährboden für Radikalisierung und Gewalt, ganz unabhängig von der politischen Ausrichtung.

ÜBERSEHENE RADIKALISIERUNG

Diese Gefahr wird jedoch weitgehend ignoriert. Weder Luisa Neubauer noch Greta Thunberg haben die Chance genutzt, den aggressiven Teil der Demonstranten während der Demo in die Schranken zu weisen. Deren fortgesetzte Weigerung zur Distanzierung von Gewalttätern und -taten auch im Nachgang ist ebenfalls leider ein Hinweis auf längst eingetretene Radikalisierung. Die vollkommen unangebrachte mediale Schonbehandlung der Akteure treibt einer sich radikalisierenden Bewegung letztlich immer weitere junge Menschen zu. Von Medienvertretern, die das Motto „Sagen, was ist“ gern mit journalistischem Stolz vor sich hertragen, ist zu erwarten, dass sie das dann auch tun, statt sich mit Sachen, Menschen und radikalen Ideologien als selbsternannte Haltungsjournalisten gemein zu machen.

 

 

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