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Taxonomie: Greenpeace, was wollt Ihr eigentlich, Ihr verbohrten Extremisten?

Vollkommen absurde Kämpfe spielen sich gerade rund um die Taxonomie, also die Einstufung von Kernkraft und Erdgas als klimafreundliche Energien ab. Wäre unsere gesamte Situation in Europa und speziell in Deutschland nicht so existenzbedrohend, es wäre fast zum Lachen. So aber fragt man sich nur entsetzt „Was wollt Ihr eigentlich, Ihr verbohrten Greenpeace-Extremisten?“
Man muss sich das mal vor Augen halten: Die EU stuft Kernkraft und Erdgas zu Recht als vergleichsweise klimafreundlich ein (Kernkraft ist sogar CO2-emmissionsfrei) und Greenpeace will die EU-Kommission nun genau dafür verklagen. Nachdem in dieser Woche auch das Parlament zugestimmt hat, sind Kernkraft und Erdgas nun EU-weit endgültig rehabilitiert, was enorme Auswirkungen auf Investitionsströme haben wird.
Es passiert wahrlich nicht oft, dass ich Kommission oder Parlament lobe. Insgesamt meist links-übergriffig, weltfremd-abgehoben und viel zu oft verblendet-wirtschaftsfeindlich zeigt sich die EU-Politik aus meiner Sicht. Aber in diesem Fall habe ich aus vollem Herzen zustimmen können, ja sogar müssen, denn in diesem Fall handelt die EU nicht nur energiepolitisch vernünftig und realitätsbezogen, sondern auch ökonomisch sinnvoll zum Wohle Deutschlands und Europas.
Man ist es eigentlich ja schon gewöhnt, dass EU-Kommission und Greenpeace Hand in Hand und im besten Einvernehmen am selben Strang ziehen; nur diesmal eben nicht. Nein, das liegt nicht an der Einstufung des fossilen und damit trotzdem auf ewig bösen Erdgases als klimafreundlich. Nein, ideologisch vollkommen verbohrt richtet sich ihr größter Zorn natürlich auf die Einstufung von Kernkraft als nachhaltige Energie. Daran ließen die Klimatanzbären, die am Mittwoch vor dem Parlament fürs Klima hüpfen zu müssen glaubten, keinen Zweifel; zwischen all den bunten Regenbogenfähnchen immer wieder die gleiche verbohrte Forderung nach Abschaffung der Kernenergie.
Wussten Sie übrigens, dass ursprünglich sogar die Säulenheilige der Klimaaktivisten, Greta Thunberg höchstpersönlich, Kernkraft als mögliches zusätzliches Mittel zur CO2-Reduktion angesehen hat? Und zwar sogar – es ist zu köstlich – unter Berufung auf den IPPC. Sie ruderte dann unter dem Druck vor allem ihrer deutschen Klimajünger schnell wieder zurück.
Resümieren wir einmal:
DASS die Reduktion von CO2 grundsätzlich sinnvoll ist, streiten nur Ignoranten ab. CO2-Emissionen zu vermeiden, ist sinnvoll, selbst wenn man durch ein nahezu isoliertes europäisches Handeln das weltweite Klima kaum beeinflussen können wird, während gleichzeitig nicht nur in China und Indien ein neues Kohlekraftwerk nach dem nächsten ans Netz geht. Wenn unsere Nachbarn keine Lust zum Unkrautjäten haben, heißt das doch nicht, dass auch wir dann unsere Vorgärten verlottern lassen.
Dass man bei der CO2-Reduktion selbstverständlich Rücksichten auf unsere Wirtschaft und unsere Energieversorgung nehmen muss, die beide zusammen unsere Lebensbasis darstellen, streiten wiederum nur die Ignoranten unter den Grünen und andere Extremisten ab – wobei es da speziell in Deutschland leider große Schnittmengen gibt, während beispielsweise die finnische Grünen in puncto Kernenergie mit mehr Realismus gesegnet sind.
Wer nicht ins Reich der Träume abgetaucht ist, weiß außerdem, dass unser Industrieland zwar noch reichlich Potential im Ausbau von sogenannten erneuerbaren Energien hat, dass aber selbst der engagierteste Ausbau ohne ein Wunder in der Entwicklung der Speichertechnologie absehbar nicht unseren Energie-Bedarf decken können wird, selbst wenn man ohne jede Rücksicht das ganze Land mit Windrädern zupflastern würde. Nicht heute und nicht morgen. Fakt ist: Erneuerbare ALLEIN können unsere Versorgung nicht gewährleisten!
Das Leben ist kein Wunschkonzert und das gilt auch für die Ausgestaltung unserer Energieversorgung. Es ist richtig, dass die uns in Deutschland noch verbliebene Kernkraft nicht mal eben mit einem Fingerschnippen alle Energieprobleme lösen wird. Richtig ist aber auch, dass die noch laufenden Meiler bei entsprechendem politischen Willen und bei lösungsorientierter Zusammenarbeit mit den Betreibern für eine Übergangszeit nutzbar wären. Wie lang diese Übergangszeit ist, muss in einer ideologiefreien Nutzen-Risiko-Abwägung entschieden werden.
Richtig ist außerdem, dass an der neuesten Kerntechnologie leider nur außerhalb Deutschlands intensiv weitergeforscht wird – die Möglichkeiten dieser Kraftwerke würden selbst den größten Kritiker verstummen lassen.
Was das Labeln von tatsächlich keineswegs CO2-neutralem Erdgas als nachhaltig betrifft, muss die Losung lauten: So wenig Gas wie möglich, aber so viel wie nötig. Wir können nicht anders.
Die EU-Entscheidung ist daher richtig! Dass der Versuch der Gegner, sie über einen kruden Antrag wieder zu kippen, kläglich scheiterte, ist wie auch schon die Parlamentsabstimmung eine berechtigte und wichtige Klatsche für die kompromisslose, weltfremde und existenzgefährdende Abteilung der Klimahysteriker.
Wenn Greenpeace nun so aggressiv um sich schlägt – wilde Prangereien sind gerade hoch im Kurs bei den Betonschädeln – , dann vielleicht auch, weil ihnen die Felle weltweit davon schwimmen. Nicht erst seit dem Ukraine-Krieg, sondern schon lange vorher und unabhängig davon haben sich viele Länder aus Klimaschutzgründen (!) und aus strategischen Gründen der Kernenergie wieder zugewandt.
Bereits 2021 berichtete die Tagesschau, international sei die Kernkraft zunehmend gefragt. „Viele Staaten wollen damit ihren CO2-Ausstoß reduzieren. […] Zehn Jahre nach der Explosion von Fukushima stecken einige Länder Milliarden beispielsweise in Kernkraftwerke im Kleinformat.“. So ist es. Weltweit ist den Staaten bewusst, dass CO2-Einsparung durch Kernenergie eine realistische, vernünftige, sinnvolle und verfügbare Option ist.
Kürzlich erst annullierte der neue südkoreanische Präsident Yoon den Atomausstieg seines Landes. Er will nicht nur im eigenen Land wieder auf Kernkraft setzen, sondern will koreanische Kernkraft sogar zum Exportschlager machen. Polen, Tschechien, Großbritannien, die Niederlande und Rumänien sind als mögliche Kunden bereits mit Südkorea im Gespräch. Deutschland als bald wohl ehemaliges HighTech-Land und Exportweltmeister bleibt bei alle dem aber außen vor. Von den Marktchancen ganz zu schweigen, lassen wir uns so eine weltweit begehrte Möglichkeit für die eigene und unentbehrliche Energiesicherheit sehenden Auges einfach so entgehen.

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