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Fakten schaffen statt billiger Kuhhandel.

Inzwischen haben es sowohl die Union als auch die FDP wohl auch endlich begriffen: Eine Abschaltung der noch laufenden Kernkraftwerke zum Jahresende wäre eine weitere katastrophale energiepolitische Fehlentscheidung. Das MUSS abgewendet werden. Im Weg stehen da vor allem die Grünen. Zu sehr gehört die Anti-Kernkraft-Haltung zur grünen DNA, als dass sie über ihren Schatten springen und der elementaren Vernunft Vorfahrt vor ihrer antiquierten Ideologie gewähren könnten.
Zum Beginn dieser Woche kam nun Jens Spahn, CDU, mit einem Vorschlag um die Ecke, und hielt den Grünen eine Karotte vor die Nase. Man könne ihnen das schon immer ersehnte Tempolimit schenken, wenn sie ihrerseits einer Verlängerung der Laufzeiten zustimmten. Kuhhandel nannten das die Medien. Spahn selbst dagegen klang fast ein bisschen sozialpädagogisch. „Ich kann ja bei der Kernenergie nicht sagen: Bitte keine Tabus, bitte alle Ideologien zur Seite legen, alle Optionen auf den Tisch, und dann selbst gleich schon wieder Denkverbote errichten beim Tempolimit.“ Schaut mal, liebe Grüne, ich bringe auch ein Opfer, und jetzt legt Ihr Eures auf den Altar. Opfern fürs Vaterland sozusagen.
Nun, dieser Vorschlag ist, in einem Wort, Mumpitz. Die Idee, dass die Grünen sich dieses für sie so zentrale Thema Laufzeitverlängerung wirklich mit einem Tempolimit abkaufen lassen würden, ist vollkommen absurd.
DAS ist erstens ganz sicher nicht geeignet, sie zu bewegen. Nun könnte man ja meinen, dass Spahn dann wenigstens alle, die für eine Laufzeitverlängerung sind, als Mitstreiter für seine öffentliche Verführung gewonnen hat, um ordentlich Druck zu machen. Mitnichten. Nicht einmal die Union selbst, geschweige denn die FDP. Weder stellte sich im Nachhinein alles als gut abgesprochener Plan heraus, noch war es als Verführung besonders raffiniert ausgedacht. Wie gesagt, der „Gegenwert“ ist viel zu klein aus Sicht der Grünen.
Außerdem lässt sich zweitens ein Tempolimit nicht einmal ansatzweise als Weg zur erstrebten Gasersparnis verkaufen. Und auch die die CO2-Ersparnis wäre so minimal, dass sie keine nennenswerte Wirkung hätte.
Diese vorgehaltene Verführungskarotte konnte nicht funktionieren. Und wissen Sie was? Das muss sie auch gar nicht! Wenn ich mal kurz die Situation zusammenfassen darf:
Wir haben ein tatsächlich sehr bedrohliches Problem, nämlich deutlich weniger kurzfristig verfügbares Gas als wir eigentlich brauchen. Jeder gesparte Kubikmeter Gas ist in der Lage Gold wert. Mit nicht ganz geringer Wahrscheinlichkeit wird Gas sogar rationiert werden, was dramatische Auswirkungen für unsere Industrie und damit für unsere gesamte Wirtschaft haben würde. Trotz Gasmangels verstromen wir derzeit etwa 10 Prozent des Gases. Aktuell erzeugen die letzten 3 Kernkraftwerke circa 6 Prozent unseres Stroms. Fällt der weg, müssen wir schon deshalb noch mehr des knappen Gases verstromen. Hinzu kommt: Die Leute werden spätestens bei Gasrationierungen, wegen der hohen Preissteigerungen bei Gas eher auch schon vorher, vermehrt elektrisch heizen, was den Strombedarf noch weiter erhöht. Und es ist Stand heute wahrscheinlich, dass die einkalkulierten Gaslieferungen gar nicht vollständig ankommen werden.
Welches Gas sollen wir dann verstromen? Und was ist eigentlich, wenn die Leute die Aufforderungen gerade der Grünen, auf E-Autos und auf Wärmepumpen umzusteigen, in großer Zahl umsetzen? Der Strombedarf wächst und wächst. Wenn Wirtschaftsminister Habeck allen Ernstes darauf hinweist, wir hätten in der Gaskrise gar kein Stromproblem, sondern „nur“ ein Wärmeproblem, führt er damit seine eigene auf massive Steigerung des Stromverbrauchs ausgerichtete pseudo-ökologische Politik nur noch weiter ad absurdum. Tatsache ist: Es wäre ein Wahnsinn, in dieser Situation auch noch die verbliebenen drei Kernkraftwerke abzuschalten!
Trotz der nationalen Notlage, auf die wir zusteuern und die auch schon einige Monate absehbar war, behaupteten die Grünen, seit kurz nach Kriegsbeginn die ersten Forderungen, die Laufzeiten zu verlängern, lauter wurden, alle möglichen Gründe, warum das schlicht nicht möglich sei. Die Sicherheitsprüfungen seien ein Problem, die Brennstäbe seien nicht so schnell beschaffbar, das Personal sei nicht verfügbar, die Kraftwerksbetreiber seien selbst dagegen. Allen voran hat auch Robert Habeck, der angeblich so authentische und ehrliche Robert Habeck, diese Erzählung mitgetragen.
Und nun? Eine Behauptung nach der anderen fällt in sich zusammen. Brennstäbe wären innerhalb von 6 Monaten lieferbar, das Personal ist eh wegen des Rückbaus noch weiterbeschäftigt und die Sicherheit ist auch gewährleistet. So erfahren wir es jetzt direkt vom einem Kraftwerksbetreiber. Und ein TÜV-Gutachten bestätigt es ähnlich.
Ich weiß nicht, wie Sie das sehen, aber für mich könnte die Sache gar nicht klarer sein: 1. Wir brauchen die Verlängerung. 2. Ob sie nun gelogen oder geirrt haben: Sämtliche Gegenargumente der Grünen sind vom Tisch. 3. Die EU-Kommission hat mit Recht angemahnt, auch Kernenergie einzusetzen, um Gas zu sparen.
Es braucht keine Karotten, keine getauschten Kühe und auch kein sinnfreies Tempolimit. Wer in dieser Situation unsere Not, die Aussagen der Experten und auch noch eine ausnahmsweise einmal völlig richtige Aufforderung der EU-Kommission missachtet, handelt grob fahrlässig zum Schaden Deutschlands. Die das tun, sind die von vielen Medien darin leider auch noch unterstützten Grünen. Das muss inzwischen auch dem letzten Fundamentalideologen in der grünen Parteispitze klar sein. Wenn Deutschland nicht glimpflich durch den bevorstehenden Winter kommt, dann fällt das vor allen anderen auf die Grünen zurück, nun erst recht, nachdem sie uns monatelang grandiosen Unsinn erzählt haben.
Wenn die Grünen eines noch mehr abwenden wollen als Kernkraft, dann ist es der eigene Absturz von ihrem derzeitigen, auf blanken Illusionen und ihren üblichen Märchen aufgebauten Hype. Dass der in naher Zukunft droht, dämmert ihnen womöglich nun. Hoffentlich.

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