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Baerbocks Bali-Reise: Instinktlos und abgehoben

Waren Sie schon mal auf Bali? Dieses tropische Inselparadies im Indischen Ozean lockt schon seit jeher nicht nur Künstler, Abenteurer und Luxustouristen an, sondern beherbergte kürzlich auch die High Society der internationalen Politik. Da durfte unsere Außenministerin natürlich nicht fehlen. Und was war das wohl für eine willkommene Abwechslung in dem sonst zuweilen bestimmt oft tristen Reisealltag von Frau Baerbock. Nun also endlich mal Bali! Wenn man, wie man sich hier des Eindrucks kaum erwehren kann, erstmal so richtig auf den Geschmack gekommen ist, was tropische Strände, paradiesisch anmutende Umgebung und exotische Speisen angeht, warum soll nicht auch unsere Außenministerin noch ein bisschen mehr Spaß haben wollen dürfen.
Schon Goethe wusste: „Es wandelt niemand ungestraft unter Palmen.“ Logiert man also einmal auf Bali, dann ist die verlockende Südsee mit Aloha und Hula Hula gar nicht mehr weit. So oder so ähnlich muss wohl unsere Außenministerin gedacht haben, als sie am weißen Sandstrand von Nusa Dua auf Bali verträumt in den Sonnenuntergang blickte. Warum eigentlich nicht?! Nach dem Motto: „Pack die Badehose ein, nimm dein …“. Die ganzen sommerlichen Kleider, leichtes Schuhwerk und so weiter hatte sie ja ohnehin schon alles dabei. Irgendein „wichtiger Grund“ wird sich doch wohl finden lassen, um mal in der Südsee vom Steuerzahler geblechten Urla… – ehm, ich meine natürlich, eine gaaanz wichtige und unaufschiebbare Dienstreise zu machen; am besten richtig unermüdlich und aufopferungsvoll im Auftrag der Klimarettung.
Dass man dafür leider, leider noch ein bisschen weiter fliegen muss, tut Annalena selbstredend sehr, sehr leid. Wegen des CO2-Fußabdrucks und so. Aber das sind doch nur so etwa 3.000 km, und die kann man bei all dem Wasser dazwischen nun mal nicht mit dem Dienst-Lastenfahrrad zurücklegen. Und bekanntlich heiligt der gute Zweck ja die Mittel.
Also – gesagt, getan: Palau sollte es sein. Der Inselstaat, dessen Flagge eine strahlende Sonne auf makellos blauem Himmel zeigt, schreit geradezu nach der Hilfe von Annalena Baerbock, auf die man dort 120 Jahre lang, seit Kaiser Wilhelms Zeiten und dem letzten Besuch eines deutschen Außenministers – Verzeihung, eines Außenministernden – gewartet habe, wie sie nicht müde wurde zu betonen. Inseln, Sonne, blauer Himmel: Klaro, das sind doch die typischen Zutaten für Traum-Urla…, ich meine natürlich Klima-Albtraum. Da musste sie einfach helfen. Das hat sie dann auch getan: mit Sommerkleid und barfuß am feinsandigen weißen Strand. Damit auch jeder daheim sehen konnte, wie dolle sie sich vor Ort für die Rettung des Weltklimas einsetzt, haben Fotografen diesen ‚held*innenhaften‘ Kampf vor Traumkulisse wirkungsvoll abgelichtet. Wir können, nein wir müssen angesichts solch übermenschlicher Aufopferung stolz sein auf unsere Außenministerin. Ach, dagegen lösen sich doch unsere lästigen kleinen deutschen Wohlstandsproblemchen (wir sind ja ein reiches Land, nicht wahr; es gibt immer noch reichlich Leute, die das gerne glauben), wie Rekordinflation, fundamentale Energiekrise und Krieg in Europa schier in Luft auf.
So, jetzt ist aber mal Schluss mit Ironie. Es ist sicher nicht unangemessen, solche Lustreisen unserer Volksvertreter in Anbetracht der beispiellosen Krise unserer Zeit zumindest für instinktlos und abgehoben zu halten. Eine Verteidigungsministerin, die gerade jetzt keinen Bock auf ihren Job zu haben scheint, ein Wirtschaftsminister, der gerade jetzt so voller Selbstzweifel und Orientierungslosigkeit ist, ein Bundeskanzler, der gerade jetzt gerne mal in der Versenkung verschwindet, wenn’s hart auf hart kommt. Da werden manche von Ihnen, meine Damen und Herren, jetzt vielleicht denken: Das haben wir so doch nicht gewählt. Im Amtseid heißt es unmissverständlich, dass unsere Regierung ihre „… Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren […] Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde“.
Was diese Ampelregierung da gerade abliefert, überzeugt Sie nicht so ganz? Mich auch nicht, sogar ganz und gar nicht. Nicht jeder wird im Angesicht der Krise über sich hinauswachsen können. Aber wenigstens versuchen, sein Bestes zu geben, das können wir von ihnen erwarten. Dafür sind sie gewählt; nicht für Lustreisen ins Südseeparadies, nicht fürs Faulenzen, nicht für selbstbemitleidende Nabelschau und auch nicht fürs Abtauchen. Die Bewältigung der gegenwärtigen Krisen wird uns allen unglaublich viel abfordern.
Wenn vom Bürger erwartet wird, er möge nicht nur Energie sparen, sondern, ganz allgemein, den Gürtel tüchtig enger schnallen, dann ist es doch das Mindeste, dass die Regierung mit gutem Beispiel vorangeht, statt ungeniert Privilegien auszukosten. Der Ampelregierung ist zwingend abzuverlangen: Vertrödeln Sie nicht noch weitere wertvolle Zeit. Sie stehen in dieser Zeit vor allergrößten Herausforderungen. Packen Sie es endlich richtig an und tun Sie wofür Sie gewählt wurden! Oder gehen Sie!
P.S.: Falls Sie sich wundern, warum ich mich hier heute ausnahmsweise mit einer Textkolumne und nicht wie sonst jeden Mittwoch mit einer Videobotschaft an Sie wende, dann liegt das daran, dass ich derzeit aufgrund einer akuten Corona-Infektion das Bett hüten und anschließend einige Tage Quarantäne einhalten muss. Sobald ich wieder auf den Beinen bin und nach Brüssel fahren kann, das sollte bereits nächste Woche der Fall sein, gibt es natürlich wieder wie gewohnt meine Videos an dieser Stelle für Sie.

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